Ob 140 oder 10.000 Zeichen – Twitter muss sich treu bleiben 

Ein Tweet hat 140 Zeichen! Das war schon immer so, und sollte auch immer so bleiben. Und so sorgte die Ankündigung von Twitter-CEO Jack Dorsey das Limit von 140 Zeichen auf ganze 10.000 zu erweitern in der Twitter-Gemeinde auch für einiges an Aufregung. Kein Wunder, denn das 140 Zeichenlimit ist nicht nur längst das Markenzeichen des Kurznachrichtendienstes, sondern der dadurch herrschende Zwang sich kurz und prägnant ausdrücken zu müssen, ist für viele Fans auch der entscheidende Vorteil gegenüber anderen sozialen Netzwerken wie etwa Facebook.

Dabei wissen User der ersten Stunde, dass Twitter ursprünglich ohne ein Zeichenlimit an den Start gegangen ist. Erst das Feature Tweets per SMS senden zu können, machte eine Reduzierung auf 140 Zeichen nötig. (Eine SMS erlaubte damals 160 Zeichen, Twitter benötigte allerdings noch Spielraum für mitgeschickte Steuerbefehle, so dass man am Ende bei 140 verfügbaren Zeichen landete.)

Für Kenner der Szene kam die Erweiterung auf 10.000 Zeichen nicht besonders überraschend, Gerüchte darüber schwirrten schon länger durchs Netz. Auch auf Twitter selbst konnte schon lange jeder beobachten, dass manch User mit mehr Spielraum ganz zufrieden wäre. Wer mehr zu sagen hatte, als in 140 Zeichen zusammen fassbar war, twitterte zum Beispiel einen Screenshot und umging das Limit auf diese Weise. Solche Tricks sind von Twitter selbst sicher gern gesehen, denn auf diese Weise bleibt der Leser auf der Webseite, während ihn ein per Tweet geteilter Link zum vollständigen Text naturgemäß auf eine andere Seite bringt.

Hier ein paar Einblicke in den „Wir brauchen keine 10 000 Zeichen“-Shitstorm:


https://twitter.com/TRENDINGKENYA/status/685053655762866176?ref_src=twsrc%5Etfw

Die Ankündigung kam auch deshalb für viele nicht überraschend, weil Twitter unter Druck steht. Das Wachstum stockt, Jack Dorsey, der das Unternehmen einst verlassen musste, kehrte mit viel Getöse auf den Posten des CEO zurück. Auch in Deutschland führt Twitter noch immer eher ein Nischendasein. Was der Meinung einiger Experten aber auch daran liegen könnte, dass die deutsche Sprache weit schwerer aussagekräftig auf 140 Zeichen herunterzubrechen ist, als etwa das Englische.

Natürlich ist man bei Twitter aber dennoch bemüht die Stammuser nicht zu verprellen, denen ihre 140 Zeichen offensichtlich am Herzen liegen. So experimentiert der Kurznachrichtendienst erst einmal und versichert schon jetzt, dass das jetzige Erscheinungsbild der Twittertimeline nicht verändert werden soll. Ein 10.000 Tweet dürfte also wahrscheinlich aus den bekannten 140 Zeichen und einer Möglichkeit den gesamten Text bei Twitter zu lesen bestehen. Wer gelesen werden will, sollte also nach wie vor ein Talent dafür haben sich interessant und kurz zu fassen.